Gut zu wissen... Die Impferei geht weiter...

Grundsätzliches:

In Deutschland gibt es keine Impfpflicht: Niemand braucht sein Tier oder sich selbst gegen irgend etwas impfen zu lassen, wenn er und sein Tier die deutschen Grenzen nicht verlässt.

Die AGT empfiehlt jedoch eine Grundimmunisierung mindestens gegen Staupe, Parvo und Hepatitis. Dabei muss das Tier gesund sein. Die Impfung gegen Tollwut sollte entsprechend den Vorschriften der deutschen Tollwutverordnung erfolgen. Tollwutwiederholungsimpfungen sind auch in Deutschland in dreijährlichen Abständen zulässig.


2013 hat der Weltverband der Kleintierärzte (WSAVA) in seinen Impfempfehlungen dankenswerterweise klargestellt, dass ein Hund, der als Welpe richtig gegen SHP geimpft wurde (letzte Impfung mit 16 Wochen oder später), für den Rest seines Lebens immunisiert ist. Ähnlich so wie Menschen mit ihrer Masern-Mumps-Röteln-Impfung im Kleinkindalter.


Welche Impfungen sollten alle Hunde bekommen?

Sinnvolle und wichtige Impfungen beim Hund sind die gegen Staupe und Parvovirose (Parvo). Beide Infektionskrankheiten kommen auch in Deutschland noch vor, vor allem Parvo. Dagegen sollten möglichst alle Hunde als Welpen geimpft werden. Auch gegen Hepatitis sollten alle Hunde grundimmunisiert sein. Der Erreger kommt zwar in Deutschland kaum noch vor, kann aber wieder eingeschleppt werden.

Wenn viele Hunde dagegen Immunität besitzen, kann er sich nicht von neuem ausbreiten.


Gegen Lepto wird, wenn überhaupt, frühestens mit 12 Wochen geimpft (zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen), beim ausgewachsenen Tier gar nicht mehr.

Fazit Lepto Impfung
  Lepto-Impfstoffe sind nach Meinung mancher Fachleute problematisch wegen ihrer Nebenwirkungen. Laut US-Universitätstierkliniken treten  bei ihnen unerwünschte Reaktionen häufiger auf als bei allen anderen Vakzinen. Ihre Schutzwirkung ist sehr begrenzt.

Leptospiren sind eine Familie von Bakterien mit über 200 Untertypen. Der zu diesem Zeitpunkt modernste Impfstoff (Nobivac L4) schützt nur gegen vier der häufiger vorkommenden Untertypen, nicht aber gegen den Rest. Es ist also sehr wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass auch ein geimpfter Hund sehr wohl an einer Leptospirose erkranken kann. Die Impfung verbessert also eigentlich nur die Chancen des Hundes, sich nicht anzustecken. Die Schutzwirkung erreicht nicht mal annähernd das Niveau, das wir von den gegen Viren gerichteten Impfungen kennen Dazu kommt, dass die Lepto-Impfstoffe als relativ "bissig" gelten und speziell bei Zwergrassen ein gewisses Potential für unerwünschte Nebenwirkungen der gemeineren Art haben.

Wenn Hunde die Impfung gut vertragen, kann man sie geben lassen. Dabei ist es vermutlich sinnvoll, das neue Vierfachprodukt zu wählen. Allerdings sollte man sich nicht auf den Schutz verlassen. Lepto-Erkrankungen sind behandelbar (mit Antibiotika).

Fazit Zwingerhustenimpfung
Auch bei Hunden sind Erkältungen im allgemeinen nicht lebensbedrohlich. Die Impfung gegen Parainfluenza und Bordetella soll die Symptome abschwächen. Impfversagen ist relativ häufig. Bei Hunden in normaler Haltung sind diese Impfstoffe verzichtbar.


Wie oft sollten Hunde gegen Staupe, Parvo und Hepatitis (SHP) geimpft werden?

Wenn es nach der Mehrheit der Tierärzte ginge: Jährlich. Wenn man sich nach den Impf-„Leitlinien“ richtet: Alle drei Jahre. Wenn man sich nach Wissenschaftlern wie etwa Professor Ronald Schultz richtet: Grundimmunisierung und basta. Also zwei- oder dreimalige Impfung im Welpenalter und dann Schluss. Die letzte Impfung sollte nicht zu früh sein, also mit 16 Wochen oder später. Die Impfstoffe gegen Staupe, Parvo und Hepatitis gelten als gut wirksam. Es handelt sich um Viruslebendimpfstoffe, die ähnlich wie die Masernimpfstoffe für Menschen sehr dauerhaften Schutz verleihen. Treten Masern auf, werden nur diejenigen Personen zur Impfung aufgerufen, die noch gar keinen Impfschutz haben. „Nachgeimpft“ oder „aufgefrischt“ wird nicht!


Borreliose-Impfstoffe gelten als nebenwirkungsträchtig, weil sie genauso krude hergestellt werden wie die Lepto-Impfstoffe, also aus ganzen Bakterien.

Beim relativ neuen Impfstoff gegen Babesiose ist die Frage, ob er wirklich schützt. Hundehalter sollten lieber auf guten Zeckenschutz achten.

 

Wie oft sollten Hunde gegen Tollwut geimpft werden?

Gegen Tollwut wird erst im Alter von deutlich über 12 Wochen und separat geimpft (also nicht zusammen mit SHP), und zwar mit einem Produkt, das den Dreijahreseintrag bereits nach einer Impfung erlaubt.


Für die amtliche Gültigkeit der Tollwutimpfung ist der Nachimpf-Abstand maßgeblich, den der Hersteller im Beipackzettel angibt. Eine Impfung zum Beispiel mit einem Zweijahrestollwutimpfstoff gilt amtlich nur zwei Jahre, auch wenn der Hund damit länger als zwei Jahre geschützt ist. Hundebesitzer sollten sich Tierärzte suchen, die Dreijahres-Tollwutimpfstoffe verwenden und die drei Jahre in den Heimtierpass eintragen.


Können Impfungen schaden?

Die meisten Hunde stecken Impfungen einigermaßen gut weg, auch wenn sie viel zu oft geimpft werden. Manche aber erleiden Nebenwirkungen. Besonders betroffen sind Welpen und kleine Hunderassen, sie haben ein höheres Risiko als ausgewachsene Hunde und größere Rassen. Die Nebenwirkungen können mild und vorübergehend sein: Fieber, Mattigkeit, Appetitverlust, (Gelenk-) Schmerzen u.ä.. Sie können aber auch gravierender sein, etwa wenn allergische Impfreaktionen auftreten mit Kopfschwellung, juckenden Quaddeln auf der Haut, Atemnot, Durchfall, Erbrechen u.ä.. In schweren Fällen kann eine allergische Impfreaktion (anaphylaktischer Schock) den Tod zur Folge haben, wenn der Hund nicht unverzüglich dagegen behandelt wird. Sehr gravierend und sogar manchmal tödlich sind impfbedingte Autoimmunerkrankungen wie Thrombozytopenie und autoimmunhämolytische Anämie, die allerdings sehr selten sind.

Fazit
  • Es gibt keine einzige saubere Studie, die die  Notwendigkeit jährlicher oder dreijährlicher  Nachimpfungen gegen Virusinfektionen beim Hund belegt. Alle seriösen DOI-Studien besagen vielmehr das Gegenteil.

• Auch bei Tieren hängt der Impfschutz nicht davon ab, dass lebenslang ein bestimmter Titer  besteht. Im Laufe der Jahre sinkende Titer bedeuten nicht, dass der Impfschutz verschwindet. Auch Hunde besitzen ein Immungedächtnis mit B- und T-Gedächtniszellen sowie langlebigen Plasmazellen.


Schäden durch gleichzeitige Verabreichung mehrerer Impfstoffe.
Impfstoffkombinationen werden für die Zulassung in der Zusammensetzung getestet, in der sie vermarktet werden. Verabreicht der Tierarzt mehrere Produkte, die nicht zusammengehören, so besteht das Risiko einer unerwünschten Nebenwirkung. Als Beispiel nennt Roth neurologische Erkrankungen bei Hunden, die zwei nicht zusammengehörende Kombiprodukte gleichzeitig erhielten: einen Zweifachimpfstoff gegen Parvo und das canine Coronavirus sowie eine Staupe-Hepatitis-Kombi. Doch auch zugelassene Kombinationen sind nicht in jedem Fall bekömmlich für das Tier und laut Moore-Studie ist das Risiko einer  Nebenwirkung um so höher, je mehr Impfstoffe simultan verabreicht werden.


Immunsystem und Parasiten
Sowohl Autoimmunerkrankungen als auch  Allergien werden seit Jahrzehnten immer häufiger, und zwar in den reichen Ländern mit hohem Hygienestandard, nicht aber in Ländern mit wenig Hygiene. Wissenschaftler vermuten daher schon lange, dass Fehlsteuerungen der Abwehr eine Folge der fehlenden  Auseinandersetzung mit bestimmten Erregern sein könnten, vor allem mit Mykobakterien (die in Erde und Wasser Vorkommen) und mit parasitären Würmern, beispielsweise Spulwürmern. Weil Menschen und einige ihrer Parasiten sich im Laufe der Evolution gemeinsam entwickelt haben, haben Wirt und Parasit gelernt, ein Gleichgewicht zu finden. Sowohl Mykobakterien als auch Würmer können das Immunsystem ihres Wirts so manipulieren, dass es sie nicht gänzlich loswird. Das ist jedoch nicht nachteilig für den Wirt: Sein Immunsystem kennt diese Parasiten und stellt sich auf sie ein. Die Auseinandersetzung mit bestimmten Erregern ist für den Wirtsorganismus sogar vital geworden: Fehlt sie, so reift das Immunsystem nicht richtig heran, Allergien oder Autoimmunerkrankungen können entstehen. Nach derzeitigem Stand des Wissens sind die „old friends“, die Mykobakterien und Würmer, so vorteilhaft fürs Immunsystem, weil sie die Ausbildung einer bestimmten Klasse von Immunzellen fördern, der regulatorischen T-Zellen („T- regs“). Diese T-regs steuern die Feinabstim mung der Abwehr, damit sie nicht gegen harmlose Antigene wie zum Beispiel Blütenpollen oder aber gegen den eigenen Körper vorgeht. Haustiere haben ebenfalls „old friends“, die an der Reifung und Balance des Immunsystems mitwirken, und zwar vor allem am Lebensanfang, wenn das Immunsystem sich erst entwickelt.

Zuviel Hygiene kann auch bei Haustieren die Balance des Immunsystems stören.

Bedauerlicherweise gibt es keine industrieunabhängigen Untersuchungen darüber, ob man Hundewelpen wirklich in den ersten paar Lebenswochen mehrmals entwur- men muss. Erwiesen ist allerdings, dass (starker) Wurmbefall den Impferfolg beeinträchtigt oder sogar ganz vereitelt. Daher ist es wahrscheinlich nach wie vor angebracht, Welpen vor der Grundimmunisierung mit Wurmmitteln zu behandeln. Doch danach sollte man mit Wurmmitteln ebenso vorsichtig umgehen wie mit anderen toxischen Medikamenten - so viel wie nötig, so wenig wie möglich.


Dauer des Schutzes nach Impfung gegen Staupe, Parvo, Hepatitis und TollwutImpfstoff

                                                                                               Tiermessung / Belastunginfektion

Staupe (Impfvirustyp Rockborn/Snyder Hill)mind. 15 Jahremind. 7 Jahre
  Staupe (Impfvirustyp Onderstepoort)mind.                9 Jahremind. 5 Jahre

Parvo mind.                                                                       10 Jahremind. 7 Jahre
  Hepatitis (canines Adenovirus 2)mind.                        9 Jahremind. 7 Jahre
  Tollwut mind.                                                                     7 Jahremind. 3 Jahre


Quelle:
   Ronald Schultz,
 Duration of immunity for canine and feline vaccines: a review. Veterinary Microbiology, 2006, sowie Vorträge 2007 ff


Abkürzungen
  S = Staupe -
  D = Distemper
  P = Parvovirose
  H - Hepatitis
  A 2 = Adenovirus 2 = Hepatitis = H
  PI = Parainfluenza (Zwingerhustenerreger)
  L = Leptospirose
  T = Tollwut (- R - Rabies)
  B. b. - Bordetella bronchiseptica (Zwingerhustenerreger)
  SHP (oder SA2P) = Kombi-Impfstoff gegen Staupe, Hepatitis, Parvo
  SHPPi (SHA2PPi) = Kombi-Impfstoff gegen Staupe, Hepatitis, Parvo, Parainfluenza
  SHPPi/L (SHA2PPi/L) = Kombi-Impfstoff gegen Staupe, Hepatitis, Parvo, Parainfluenza, Leptospirose
  SHPPi/LT (SHA2PPi/LT) = Kombi-Impfstoff gegen Staupe, Hepatitis, Parvo, Parainfluenza, Leptospirose, Tollwut


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Quelle: Monika Peichl Hunde impfen Der kritische Ratgeber  (klick hier)

  Das Wichtigste in Kurze

     Staupe, Hepatitis, Parvo

              (  S H P )

  1. Hauptimpfungen für Hunde sind die gegen Staupe, Parvo und Hepatitis.Diese Impfungen sollten alle Hunde erhalten mit 8,12,16 Wochen und 15.Monat. Nicht mehr! Sie schützen viele Jahre, wahrscheinlich lebenslang.


2. Gegen Tollwut wird erst im Alter von deutlich über 12 Wochen und separat geimpft (also nicht zusammen mit SHP), und zwar mit einem Produkt, das den Dreijahreseintrag bereits nach einer Impfung erlaubt.


3. Es gibt keinerlei wissenschaftlichen Beweis dafür, dass die Impfung gegen Staupe, Hepatitis und Parvo nur ein Jahr oder nur drei Jahre lang schützt. Bewiesen ist vielmehr das Gegenteil.


4. In den Beipackzetteln wird nur die minimale Schutzdauer angegeben. Dauer des Schutzes nach Impfung gegen Staupe, Parvo, Hepatitis und TollwutImpfstoff ist gemmesen zwischen mind. 7 und 15 Jahre.


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